In aller Munde
Kaffee war um 1850 endgültig zum Volksgetränk geworden.
Der wohlhabenden Bürger genoss ihn morgens und nachmittags.
Von den ärmeren Schichten wurde Kaffee als eine Art Universalmahlzeit
genutzt. Den ganzen Tag über stand das Kaffeegetränk zumeist
in Form von Kaffeesuppe mit Brotbrocken auf dem Herd. Das hatte
allerdings weniger mit Genusssucht zu tun, sondern eher damit, dass
Industrialisierung und Verarmung breiter Bevölkerungsschichten
die Zubereitung von vollständigen und nahrhaften Mahlzeiten
nicht zuließ und Kaffee immerhin munter machte und die Hungergefühle
dämpfte. Eine Streckung des teuren Kaffees mit Surrogaten wie
z. B. Zichorie war durchaus üblich.
Die Kaffeesorte Robusta wurde 1898 im großen Kongobogen in
Afrika entdeckt. Heute liefert diese Kaffeesorte rund 30 % der Weltproduktion.
Die Geschichte des Kaffees wurde im 19. Jahrhundert geprägt
durch die Bildung des spezialisierten Kaffeehandels, vom Produktionsland
über die Börsen, die Röstereien bis hin zum Verbraucher.
Kaffee-Anbau und -Produktion beeinflussten sich gegenseitig, die
Erfindung der Dampfschifffahrt revolutionierte das Transportwesen
und die Verbesserung der Kommunikation, z. B. durch die Überseetelegrafie,
schaffte die Voraussetzungen, dass schnelle Nachrichten anstelle
von Gerüchten den Preis bestimmten.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Brasilien längst zum größten
Kaffeeproduzenten der Welt geworden. Die Überproduktion Brasiliens
drückte den Kaffeepreis an der New Yorker Terminbörse
im Jahr 1903 auf das niedrigste Niveau (3,55 US-Cents per Ib), das
je erfasst wurde. 1906 produzierte Brasilien eine Rekordernte von
rund 20 Millionen Sack. Mit Unterstützung von wichtigen Verbraucherländern
kaufte der brasilianische Staat den Kaffee auf, um ihn dadurch künstlich
aufzuwerten (Valorisation).
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Wir danken F. Etschel für die Überlassung vieler Inhalte.
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